Kaffee mit dem Stalker
Selbstverständlich erfuhr mein Neuerwerb nach der heimatlichen Ankunft sofort eine rasche Erstinspektion, und die war gleich recht aufschlussreich. Zwar lag vor mir ein bunter Haufen von verschiedensten Karten und Briefen, doch eines hatten sie alle gemeinsam; alle stammten aus der Feder einer einzigen Person und die gesamten Schriftstücke wurden ständig an die selbe Adressatin gesendet. „Stalken“ war anscheinend damals schon ein beliebter Zeitvertreib. Hatte ich mein mir selbst auferlegtes Taschengeld in einen hundertjährigen Spamordner investiert?
Um dieser Vermutung auf den Grund zu gehen verbrachte ich die nächsten Stunden mit der chronologischen Ordnung der fragwürdigen Werke. Aus dem geplanten „kurz rein schauen“ wurde genauso wenig wie aus dem „schnellen Kaffee“ mit einem netten Bekannten. In der Hoffnung, das die Engelsgeduld meiner Freundin, welche sie mir bei jedem Ritt auf einem neuen Steckenpferd liebevoll aufbringt, weiterhin anhält und das sich für den einseitigen Schriftverkehr ein besserer Grund als die psychische Störung eines obsessiven Verfolgers mit unbegrenztem Schreibwarenzugang findet, untersuchte ich das erste Schriftstück.


Test
perfekt