Seit ich mich meinem Buchprojekt widme, verschlägt es mich immer öfter in die Gegend des unteren Isonzo, wo sich in der malerischen Landschaft vor hundert Jahren einer der schrecklichsten Frontabschnitte des Ersten Weltkrieges befand. Hier, wo die blaue Adria zum Greifen nahe ist, zeugen noch viele Gedenkstätten an die 12 verheerenden Isonzoschlachten, in denen sich das Königreich Italien und die Donaumonarchie so verlustreich gegenüber standen. Eine dieser sehenswerten Gedenkstätten ist der österreichisch-ungarische Soldatenfriedhof in Fogliano di Redipuglia. Zwischen Udine und Monfalcone, liegt dieser Friedhof leicht zu finden direkt an der Staatsstraße SS305.

Über dem Eingang verkündet eine Tafel, das hier österreichisch-ungarische Soldaten, welche im Ersten Weltkrieg gefallen waren, zusammen ihre letzte Ruhe fanden. Nicht vergessen darf man dabei allerdings, dass hier nicht nur Österreicher und Ungarn, sondern Soldaten aus dem gesamten Vielvölkerstaat bestattet wurden.

Wenn man den mit Zypressen flankierten Mittelweg entlang schreitet und auf die 2.550 mit Namensschilder versehenden Einzelgräber blickt, bekommt man langsam eine Ahnung über das Ausmaß der Tragödie, die sich in dieser Gegend vor hundert Jahren abgespielt hat. Vor allem, wenn man an die drei Massengräber auf diesem Gelände denkt, in denen zwölf tausend nicht identifizierte Tote begraben liegen. 14.550 Opfer. Eine erschreckende Zahl, doch immer noch nur ein Bruchteil der 15 Millionen Menschenleben, die der Erste Weltkrieg insgesamt forderte.

Linker und rechter Hand des Einganges befindet sich in den Ecken des Friedhofes jeweils ein Massengrab in welchen 2500 Angehörige der kaiser- u. königlichen Armee beerdigt wurden.

Der Mittelweg endet am größten der drei Massengräber, in welchem das brüderliche Mitleid Italiens, wie es auf der Steintafel darüber zu lesen ist, 7000 Gefallene beerdigt hat.

In seiner Stille ermahnt uns dieser gepflegte Friedhof, er appelliert an unser aller Mitgefühl, an unseren Verstand, damit wir in Zukunft solche Gedenkstätten nicht mehr errichten müssen.
